Weten: Alkoholische Getränke

In der Rubrik ›Weten präsentieren wir Informationen über die plattdeutsche Sprache und die mit ihr verbundene Kultur.

Der Norddeutsche und/oder Plattdeutsche trinkt auch gerne mal. Manchmal sogar zu viel. Aber beschäftigen wir uns mit dem anspruchsvollen Genusstrinker. Was genau trinkt er traditionell?

Die traditionellen Getränke sind stark klimatisch geprägt. Wein wächst in Plattdeutschland nicht, Roggen dafür umso besser. Norddeutschland ist daher Bierland und nicht Weinland. Hinzu kommt der Kornbrand (Koorn oder Kööm).

Bier

Bier hat eine jahrhundertealte Tradition im Norden. Es wurde zuerst in bäuerlicher Eigenproduktion hergestellt und diente hier als eines der wenigen Getränke, die einigermaßen keimfrei waren (im Vergleich zu den seinerzeitigen Alternativen). Dieses Bier war eher alkoholarm und für den modernen Bierkenner-Gaumen vermutlich gewöhnungsbedürftig. Auch in den Städten wurde gebraut. Dieses Bier war von höherer Qualität.

Im Gegensatz zu Süddeutschland und dem Alpenraum, wo noch viele kleinere Brauereien bestehen, hat sich im Norden eine viel stärkere Konzentration vollzogen, so dass fast nur noch Konzerne im Markt tätig sind. Zu den heute bekannten norddeutschen Biermarken gehören zum Beispiel Beck’s, Flensburger, Dithmarscher, Holsten, Jever, Störtebeker/Stralsunder, Lübzer, Einbecker, Gilde, Wittinger, Wolters Pilsener, Hasseröder, Warsteiner und Veltins.

Kornbrand

Nachweisen lässt sich das Brennen von Korn seit dem 16. Jahrhundert. Besonders im westfälischen und oldenburgischen Raum inklusive dem Emsland hat sich der Kornbrand zur Blüte entwickelt und viele bekannte Marken hervorgebracht. In Haselünne sitzen die Brennereien Berentzen (zu der beispielsweise auch die Marken Strothmann und Doornkaat gehören), Heydt und Rosche und in Oelde die Brennerei Schwarze & Schlichte. Zu den Herstellern außerhalb dieser Region gehört der Oldesloer aus Schleswig-Holstein, der Mackenstedter aus Groß Mackenstedt bei Bremen, der Hardenberger aus Ostfalen und der Nordhäuser Korn aus Thüringen. Letzterer wird außerhalb der plattdeutschen Region hergestellt, aber natürlich auch von uns Plattdeutschen konsumiert.

Der Standort Steinhagen in Westfalen ist für die mit Wacholderbeeren aromatisierten Marken Steinhäger und Schinkenhäger bekannt.

Parallel zur Entwicklung des Kornbrands im Norden Deutschlands und von dieser beeinflusst hat sich ebenfalls in Skandinavien eine Brenntradition entwickelt, die den Aquavit hervorgebracht hat. Auch im Norden Deutschlands beliebt ist zum Beispiel der zum Jubi abgekürzte Jubilæums Akvavit. Zur Gruppe der Aquavite gehört zudem der Bommerlunder mit Kümmel und Anis. Er wird gerne gemeinsam mit einer eingelegten Pflaume zu sich genommen.

Rum

Rum hat keine Herstellungstradition im Norden. Wie auch, Zuckerrohr wächst bei uns nicht. Trotzdem gehört es zu den traditionellen Getränken in Plattdeutschland. Eine wichtige Rolle hat hier Dänemark gespielt, das als Kolonialmacht in Dänisch-Westindien Rum produziert und nach Europa importiert hat. Solcher Rum wurde unter anderem im damals dänischen Flensburg mit anderem Alkohol gemischt und damit zum „Flensburger Rum-Verschnitt“. Bekannte Marken sind hier Hansen Rum, Johannsen Rum, Pott Rum, Balle Rum und Asmussen Rum.

Besonders in der kalten Jahreszeit beliebt ist der Rumgrog, bei dem der Rum mit heißem Wasser zum Selenwarmer wird.

Liköre

Der Jägermeister wurde 1934 in Wolfenbüttel erfunden und hat sich seither zu einem weltweit bekannten Produkt entwickelt.

Lediglich im Nordwesten bekannt ist der Kruiden, ein Kräuterlikör, der dort von verschiedenen kleineren Herstellern produziert wird.

Ein dritter norddeutscher Kräuterlikör mit überregionaler Bekanntheit ist der Schierker Feuerstein aus dem Harz.

Ebenfalls aus einer ehemals plattdeutschen Region, nämlich dem westpreußischen Danzig, hat das Danziger Goldwasser seinen Siegeszug angetreten. Obwohl es ganz sicher kein Likör ist, der „typisch“ ist für Norddeutschland.

Wein

Wein lässt sich im Norden nicht bzw. nur schwer kommerziell anbauen. Seit Hansezeiten wurde aber Wein aus dem Rhein-Raum importiert und teilweise in den Hansestädten zum Rotspon (Rootspoon) gereift.

Eigene Weintraditionen gibt es nahezu keine. Im 21. Jahrhundert sind aber in diversen Regionen Norddeutschlands Weinbauflächen ausgewiesen und angelegt worden. Zum Beispiel in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Sie umfassen nur wenige Hektar und sind in der Regel im regulären Handel nicht erhältlich.

Andere

Auch Cider bzw. Appelwien trinkt der Norddeutsche kaum, obwohl zum Beispiel mit dem Alten Land bei Hamburg durchaus hochwertige Apfelbaugebiete bestehen. Mittlerweile wird auch dort Cider hergestellt, jedoch beruhen diese Produkte nicht auf alter Tradition, sondern sind der jüngeren Craft-Bewegung entsprungen. Sie existieren erst seit wenigen Jahren.